edition fink Silvie Defraoui Und überdies Projektionen (Archives du futur)
cover:Und überdies Projektionen (Archives du futur)

Silvie Defraoui
Und überdies Projektionen (Archives du futur)

Herausgegeben von Christoph Vögele, Kunstmuseum Solothurn

Textbeiträge von Christophe Kihm, Christoph Vögele (franz./dt./engl.)

96  Seiten, 85 Abb., davon 70
in Farbe, 19 × 24,5 cm, Fadenheftung,
Broschur mit Schutzumschlag

Gestaltung Sonja Zagermann,
Georg Rutishauser

edition fink, Zürich 2014
ISBN 978-3-03746-181-5

CHF 28.00 / EUR 19.50 / USD 25.00

 

Bestellen

Das Kunstmuseum Solothurn widmet Silvie Defraoui, die als Pionierin der Video­kunst internationale Anerkennung gefunden hat, eine grosse Einzelausstellung. Neben erstmals präsentierten Arbeiten kommt es zu einem Wiedersehen mit bekannten Meisterwerken: mit der zauberhaften Videoinstallation «Bruits de surface» (1995) oder mit dem beklemmenden Video «Aphrodite Ping Pong» (2005). Sie zeigen die Bandbreite der Bildwelt zwischen privater Erinnerung und globaler Erschütterung, zwischen berückender Schönheit und unaus­weichlichem Schicksal.
Die vorliegende Publikation folgt dem Parcours, den Silvie Defraoui für die Ausstellung angelegt hat. Ausgehend von den kunst­vollen Terrazza-Böden lenkt die Künstlerin den Blick auf den Boden, den sie mit selbstkleben­den Formen bedeckt. Zwischen diesen öffnet sich ein Weg, der zu einer niedrigen Metall­konstruktion («Nacht und Tag und Nacht», 2000) führt, die vom Publikum über­stiegen oder umwandert werden muss. Auf dem podestartigen Objekt kann nicht nur die Ausbreitung der Formen wie ein Garten überblickt werden; der Grundriss der symmetrischen Metallkonstruk­tion erinnert auch an die Beete und Kanäle eines orientalischen Gartens. Mit den Blumenmotiven der neuesten Foto­arbeiten («Faits et Gestes», 2014) wird diese Thematik im folgenden Saal aufgenommen: Nahansichten sinnlichster Blüten ver­binden sich mit Pressebildern von (Natur-)Katastrophen. Neben Bildern vergänglicher Blumenpracht, mit denen das alte Vanitas-Motiv aufgenommen wird, gehört der Text als Kommunikationsmittel und graphische Form zu den Leitmotiven der Ausstellung. In gemalten Sprachbildern (2000 und 2014) werden die Schönheit der Schrift und der formale Rhythmus von Gedichten sichtbar.
In der vielteiligen Foto­arbeit «Grille de Lecture» (2013/2014) werden Buchstaben und Bilder in einem Gitter aufeinander bezo­gen, um damit die alltägliche Verbindung von Sehen und Lesen zu betonen.
Zum Reiz der Ausstellung gehört der stete Wechsel der Perspektiven, der den Blick zwischen Wand und Boden wandern lässt und das Durchlaufen des Parcours zu einer ungemein reichen, zuweilen traum­haft anmutenden Reise macht.
So finden sich bei der Präsentation der Videos die unter­schiedlichsten, stets auf den Inhalt der Werke abgestimmten Projektions­formen: vertikal auf den Boden, frontal auf die Wand oder auf einen im Raum hängenden Screen – wie bei dem im letzten Saal laufenden Videoloop «Résonances et courants d’air» (2009).
Die narrative Wirkung der Arbeit mit ihren rituellen Wie­derholungen wird klanglich unterstrichen mit Auszügen aus den «Märchen von 1001 Nacht». Und damit schliesst sich der Bogen zum «orientalischen Garten» des ersten Saales.